Durchhalten

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Durchhalten

Ich möchte Sie mit meiner Antwort nicht enttäuschen. Ich möchte nicht antworten: Jeder, jede muss für sich selbst entscheiden, wie das geht. Natürlich ist das so und es ist zeitgemäß, so zu antworten. Aber auch eine allgemein geltende Antwort sollte zu finden sein.

Gestatten sie mir deshalb für meine Antwort eine Ableitung des Wortes „Durchhalten“.

Ich sehe darin das Wort Haltung. Dies steht einerseits für die Gesinnung, die auf ein Ziel gerichtete Grundhaltung eines Menschen.
Es steht für eine gewisse Ruhe in schwierigen Situationen und für die Einstellung, die persönliche Meinung zu einer Angelegenheit.

Das Ganze geht einher mit der Körperhaltung. Und da ist gerade das Rückgrat bedeutsam. Im doppelten Sinn, Sie ahnen es. Habe ich nämlich eine falsche Haltung, eine sogenannte Fehlhaltung, ist das weder für den Körper noch für die Seele gut. Im Gegenteil. Diese Fehlhaltung führt zur Belastung weiterer Körperteile und zu Störungen am Bewegungsapparat (Beckenschiefstand, Rückenschmerzen, Knirschen der Zähne, Kopfschmerzen). Erkennen Sie etwas davon bei sich wieder?

Die andere Frage bleibt: Wie sieht es aus mit meinem Rückgrat? Gerade in Bezug auf dieses sind zwei Redewendungen entlarvend: „jemandem das Rückgrat brechen“ und „jemandem den Rücken stärken“. Will meinen: Der oder die Eine schafft, es durchzuhalten oder kann es eben nicht, weil die persönliche Traglast nicht mehr stimmt. Und das wird und bleibt natürlich Teil seiner oder ihrer Lebensgeschichte.

Ich wage zu behaupten, dass das einem Menschen anzusehen ist. Auch, weil er sich dementsprechend bewegt oder gedanklich unterwegs ist.

Es ist Gott, der dem Menschen Würde zueignet. Der den Menschen als Menschen, als ein Lebewesen mit Wert, das meint nämlich Würde, belegt. Er ist Gott ebenbildlich und hat eine besondere Vorrangstellung unter allen Geschöpfen. Es ist folgerichtig, dass sich der Mensch um die Problematik Klimaerwärmung des Planeten ebenso kümmern muss wie um die gerechten Lebensverhältnisse für eine jeden Einzelnen. Die Würde des Menschen, so glauben wir, ist gottgegeben und nicht verlierbar. Nicht bei einem geistig Verwirrten wie auch nicht bei einem, der Menschen absichtlich vom Leben zum Tode bringt. Das tut uns weh. Aber das glauben wir. Sie kommt jedem Menschen als solchem zu und ist unabhängig von Lebensumständen oder Verhalten.

Die Würde des Menschen bewirkt seine innere und äußere Haltung. Gott hat den Menschen gewürdigt, menschlich zu sein. Durch eine Geburt, diese Geburt, erinnert er ihn immer wieder daran. Natürlich könnte jeder, wenn er über die eigene Geburt nachdächte, auf gute Ideen kommen. Macht er zu wenig. Offenbar reicht es nicht. Es ist deshalb umso hilfreicher, mindestens einmal im Jahr durch die Geburt Jesu daran zu denken. Deshalb gibt es Weihnachten: alle 12 Monate die gleiche Erinnerung. Durchhalten schaffen wir ohne Erinnerung einfach nicht. Es braucht vielleicht auch die dazu gehörenden Traditionen. Etwas die, das auch gemeinsam zu würdigen.

Da kommt ein Mensch in die Welt. Ganz einfach. Geboren in Verhältnisse, wie sie zuhauf damals vorkamen. Tausendfach. Fluchtsituation. Mangelhafte Anerkennung. Nicht materiell abgesichert. Die Wertschöpfung geht gegen Null. Zur falschen Zeit am falschen Ort im falschen Land. Mit diesem Namen. Mutter vorhanden, Vater unklar. Alles in allem: Eigentlich nicht der Rede wert!
Kommt alles irgendwie bekannt vor. Und sie strömen auf uns ein: Die Bilder im Fernsehen, die Situationen in den Kriegsgebieten, die Boote auf dem Mittelmeer, die Menschen in Fluchtkolonnen, an Zäunen, in Lagern, in Kasernen. Hunderttausendfache Schicksale, 60 Millionen auf der Flucht. Und an die, die Kriege schüren und daran überdimensional daran verdienen. Die nicht ablassen, sich zu verkaufen an falsche Propheten und Ideologien und jene, denen Profit mehr wert ist als alles andere auf der Welt.
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Tatsächlich?
Wo doch? Warum sind die vielen Herabwürdigungen und shitstorms im Netz möglich, in Fußballarenen, bei Demonstrationen, vor Asylbewerberheimen oder einfach so im Büro gegen die unliebsame Kollegin?

Es braucht einfach die Erinnerung an diese Geburt. Und an das, was damit verbunden ist. Gottes Wille zur Würdigung allen Seins. Es braucht den Heiligen Abend. Es braucht keine Heilige Pforte und alles ist vergeben. Unsinn.

Es braucht vielmehr die Momente, in denen wir erkennen. wie wir gemeint sind. Wir alle. Jeder. Jede. Das meint, Durchhalten im Sinne Gottes. Er ist uns nahe. Und wir sind ihm, nahe. Übrigens: Natürlich sind wir auch uns nahe. Ganz nahe. Durch die Liebe.
Um es mit Hanns Dieter Hüsch zu sagen:

Ich setze auf die Liebe
Das ist das Thema
Den Hass aus der Welt zu entfernen
Bis wir bereit sind zu lernen
Dass Macht, Gewalt, Rache und Sieg
Nichts anderes bedeuten als ewiger Krieg
Auf Erden und dann auf den Sternen.

Ich setze auf die Liebe
Wenn Sturm mich in die Knie zwingt
Und Angst in meinen Schläfen buchstabiert
Ein dunkler Abend mir die Sinne trübt
Ein Freund im anderen Lager singt
Ein junger Mensch den Kopf verliert
Ein alter Mensch den Abschied übt.

Ich setze auf die Liebe
Das ist das Thema
Den Hass aus der Welt zu vertreiben
Ihn immer neu zu beschreiben.

Die einen sagen es läge am Geld
Die anderen sagen es wäre die Welt
Sie läg‘ in den falschen Händen
Jeder weiß besser woran es liegt
Doch es hat noch niemand den Hass besiegt
Ohne ihn selbst zu beenden.

Es kann mir sagen was es will
Es kann mir singen wie er’s meint
Und mir erklären was er muss
Und mir begründen wie er’s braucht
Ich setzte auf die Liebe! Schluss!

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