3 Fragen an: Jan Wörner

Er wurde mit zahlreichen Preisen und Ehrungen für „herausragende wissenschaftliche Leistungen“ ausgezeichnet; erhielt Ehrendoktorwürden weltweit, das Bundesverdienstkreuz und ist Ritter der französischen Ehrenlegion. Er war u.a. Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Generaldirektor der ESA. Er ist erster Raumfahrt-Koordinator des Landes Hessen.

Die verschiedenen Positionen, vom Bauingenieur über Präsident der TU Darmstadt, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und
Raumfahrt, Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtagentur und jetzt Hessischer Raufahrtkoordinator und Präsident von acatec, der Deutschen
Akademie der Technikwissenschaften haben viel Gemeinsames: Es geht um Technik, Innovation, Verantwortung und überregionale Aktivitäten. Ich hatte und habe das Glück die verschiedenen Positionen auszufüllen und jeweils spezielle Ziele anzugehen: Bauingenieur: Neuen Materialien den Weg ebnen und aktiven Umweltschutz im Bauwesen vorantreiben.

TU Präsident: Erste öffentliche autonome Hochschule zur Effizienzsteigerung und Verbesserung von Forschung, Lehre und Service für die Gesellschaft

DLR: Steigerung der Synergien der verschiedenen

DLR Themen: Luftfahrt, Raumfahrt, Energie und Verkehr unter dem Motto „Ein DLR“

ESA: Entwicklung von „Space 4.0“, dem Paradigmenwechsel in der Raumfahrt hin zu mehr gesellschaftlich relevanten Themen und Kommerzialisierung der Raumfahrt, Konzept des „Moon-Village“und des Mottos „United Space in Europe“

Raumfahrt fasziniert (fast) jeden. Missionen wie Flüge zu Planeten und Kometen, Blicke tief ins Universum, Beobachtung von Gravitationswellen, Nutzung von Erdbeobachtung zum Verständnis des Klimawandels und vieles mehr wird von vielen Menschen mit Bewunderung und Begeisterung zur Kenntnis genommen.

Wenn aus dieser Faszination Inspiration wird, hat man einen guten Schritt hin zu individueller Motivation „geschafft“, Motivation die für den nachhaltigen Erhalt unserer Erde dringend erforderlich ist.

Zwar halte ich unter den aktuellen technischen Fähigkeiten nichts von einem Flug von Menschen zum Mars, aber um Ihrer Frage nicht auszuweichen, lasse
ich mich auf die Hypothese ein: Der Mars hatte in der Vergangenheit viel bessere Lebensbedingungen als heute, vielleicht ein Warnsignal. Deshalb mein
Satz: Now that we are with humans on Mars, we even better understand the beauty and fragility of our home, the tiny blue dot, our Earth.

3 Fragen an: Franziska Reichenbacher

Wenn ich als ‚Lottofee‘ antworten soll, dann wäre die Antwort wahrscheinlich ‚bitte einmal den Sechser im Lotto und alles wäre ok‘.
Wobei vielleicht nicht alles ok wäre, aber vieles wäre leichter. Diese Art von Glück, der glückliche Zufall, ist ja wirklich
sehr nützlich und dem Glück sehr förderlich, weil am Geld - bzw. am nicht vorhandenen Geld - einfach
viele Probleme hängen. So ist die Realität. Finanzielle Sicherheit ist für viele Menschen kaum erreichbar
und das ist oftmals sehr belastend, gerade für Familien zum Beispiel. Oder auch ältere Menschen. Deshalb ist es völlig in Ordnung vom Sechser im Lotto zu
träumen und darauf zu hoffen, sich dadurch etwas mehr Lebensglück ins Haus holen zu können.
Und was es mir persönlich bedeutet? In diesen Zeiten weiß man ja gar nicht, was man sich zuerst
wünschen soll: Frieden, Ende der Klimakrise, 9-Euro-Ticket für immer, kein Corona, kein Krebs, kein
Rechtsextremismus, kein Krieg? Der Wunsch nach dem kleinen privaten Glück verblasst vor dem Hintergrund der globalen Probleme. Wobei der Wunsch
nach dem privaten Glück sicher genauso berechtigt ist wie vorher auch, vielleicht ist er sogar noch größer geworden, wo doch der Einzelne bei all dem,
was um uns herum passiert – ohne, daß wir es steuern können – sich manchmal ohnmächtig fühlt.
Glück ist für mich, dass meine Familie und ich gesund sind und für den Rest gibt es eine Lösung. So
ungefähr. Ansonsten halte ich es so: Je weniger ich über Glück nachdenke, desto glücklicher bin ich.
Das ist ein interessanter Effekt, den ich seit einiger Zeit bei mir beobachtet habe.

Das ist eine interessante Frage und ich beobachte selbst, wie ich da meine Sicht verändert habe. Noch mehr als vorher frage ich mich, was ist der Sinn und
der Mehrwert dessen, was ich gerade tue? Mein Motto ist, die Lebenszeit – meine eigene und die der anderen – nicht zu verplempern und so viel wie
möglich dazu beizutragen, die Welt ein bisschen besser, heller, schöner, freundlicher, angenehmer,
menschlicher zu machen. Das kann man im Großen und im Kleinen und das kann jeder und jede, wo er
oder sie steht und geht. Ganz konkret arbeite ich an einigen Sachen als Autorin und auch als Journalistin
und da frage mich immer – macht das Sinn? Wenn es keinen Sinn macht, habe ich gar keine Lust darauf.

ch hoffe stets und glaube auch daran, dass Qualität sich durchsetzt, auch wenn es manchmal länger
dauert, die Wahrheit immer irgendwann ans Licht kommt und dass am Ende - hoffentlich! - doch immer Intelligenz und Weisheit siegen und nicht die
Dummheit und die Destruktion. Das sind so meine Grundsätze, nach denen ich mich selbst versuche zu
verhalten. Und natürlich, ganz wichtig: Die Liebe höret nimmer auf.

3 Fragen an: Florian Naß

Mein Beruf ist auch meine Leidenschaft. Das Ziel,Sportreporter zu werden, hatte ich schon als Kind.
Sport war für mich immer mit Emotion verbunden, aber auch mit Gemeinschaft, egal ob im Verein,
später im Studium oder jetzt im Beruf. Letztlich hat mir ein persönlicher Brief an die Sportredaktion des
Hessischen Rundfunks die Tür geöffnet. Damals war ich 21 Jahre alt und hatte von Fernsehen keine Ahnung,
vom Sport aber sehr wohl. Mein Weg war in gewisser Weise verrückt , ich habe mir viel selbst beigebracht,
darauf bin ich durchaus auch ein bisschen stolz.

In dem ich es anspreche. Bei der letzten Fußball-EM habe ich die rechtsgerichteten ungarischen Fans in Budapest thematisiert, auch die Verantwortung der UEFA für ein Turnier in Pandemiezeiten oder den
Irrsinn einer solchen Veranstaltung in derart vielen Ländern.
Als mir bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio die verbale Entgleisung eines deutschen Sportdirektors auffiel, habe ich diese sofort aufgegriffen und verurteilt.
Als Kommentator darf und muss ich eine Meinung haben und wenn auffällt, dass der Sport seine Werte verliert – Stichwort Doping – muss das Erwähnung finden.
Das führt immer wieder auch zu Diskussionen mit unseren Zuschauer:innen. Davon lebt unsere Gesellschaft.

Sport ist ganz sicher nicht männlich, aber er war es. Allein die Geschichte des Frauenfußballs belegt dies:
vor Jahrzehnten noch verboten und auch in der Folgezeit erfuhr es kaum Förderung. Das hat sich geändert, so wie auch die Fanstruktur in den Stadien.
Die Männerdominanz hat sich zum Glück dort abgeschwächt.
Was fehlt sind noch mehr Frauen in Führungspositionen, in Verbänden oder auch in Vereinen. Aber auch das wird kommen, so wie bei uns in den Medien.
Generell aber können wir uns viel stärker an Skandinavien orientieren, dort wird weniger zwischen Männer- und Frauensport unterschieden: das taugt als Vorbild.
Der Fußball ist die Sportart, die medial stark berücksichtigt wird, aber sie stößt auch auf das größte Interesse. Das Vorurteil, es werde „nur Fußball gezeigt“
ist allerdings falsch und widerlegbar. Die Wintersport-Übertragungen in ARD und ZDF sind da ein gutes Beispiel, es gibt Nischen-Sportarten wie Darts,
die in den privaten Sendern große Zuschauer-Erfolge verbuchen. Heutzutage wird jedes Handball-Spiel der Bundesliga live übertragen, vor Jahren noch
undenkbar. Es liegt auch an der Kreativität der Verbände sich selbst zu präsentieren und Interesse zu wecken.
Übrigens habe ich – um das Thema Rhönradturnen aufzugreifen – für die Hessenschau die Deutsche
Meisterin Lilia Lessel aus Darmstadt portraitiert und war fasziniert vom Sport und der Sportlerin.

3 Fragen an: Regina Daum-Meemann & Larissa Mierzwa

Unser Motto „Vielfalt Leben“ verweist auf unseren Auftrag: Wir kümmern uns darum, dass Menschen mit Behinderung am sozialen Leben teilhaben. Die documenta fifteen mit ihrem
Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit, Gemeinschaft und Inklusion bietet uns die Chance zu zeigen, wie dieser Beitrag aussehen kann. Für uns als Mitarbeiter:innen, aber auch für die Beschäftigten und Teilnehmer:innen an den Qualifizierungsmaßnahmen, ist es spannend, mit dabei zu sein.
So haben wir mit angepackt, als die documenta fifteen und das Forstamt Hessen dazu aufriefen, Bäume im Reinhardswald zu pflanzen.
Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten gemeinsam an der Aufforstung des Waldes:
Eine tolle Erfahrung! Mut machendes Beispiel ist auch die von uns entworfene Jeanstasche,
die Beschäftigte in unserer Schneiderei nähen. Das Produkt ist nachhaltig, regional und sozial;
damit haben wir die documenta-Macher überzeugt. Sie wird in den documenta fifteen Shops verkauft.

Auf jeden Fall. Uns gemeinsam ist, dass wir die Menschen erreichen möchten, ein gesellschaftliches Anliegen treibt uns an. Natürlich stoßen wir
auch an Grenzen, was beispielsweise die speziellen Bedarfe unserer Klient:innen betrifft.
Die Kunstwelt ist ein sehr innovatives und kreatives System.
Es gibt eine große Offenheit für unsere Anliegen, bei der Organisation und auch bei Künstler:innen,
mit denen wir zusammenarbeiten. Das fordert und fördert uns als diakonische Einrichtung in unserem Denken und Handeln.

Kunst kann Türen öffnen. Wir erleben dies bei den Kreativ-Angeboten in unseren Einrichtungen
ebenso wie in der Begegnung mit der internationalen Kunstwelt. Schon bei der vorigen documenta beteiligten sich Beschäftigte der bdks an
einem zentralen Kunstwerk, dem Parthenon der verbotenen Bücher der argentinischen Künstlerin Marta Minujín auf dem
Friedrichsplatz. Jede:r, der dazu beigetragen hat, eines der Bücher in Folie zu schweißen, war somit Teil des Kunstwerks.
Durch Kunst erhalten Ideen eine Gestalt. Für die Menschen bedeutet dies: Ausnahmslos jede und jeder kann
einen Beitrag zur Gesellschaft leisten, und sei er noch so klein.

3 Fragen an: Beate Kemfert

Zwei Triebfedern gleichermaßen: die Liebe zum Menschen und die Begeisterung für Kunst.
Das mag poetisch klingen, doch bin ich fest überzeugt, beides verzahnen zu können. Jüngst rief mich eine Museumspädagogin nach ihrem Ausstellungsbesuch begeistert an:
„Du hast ja in der Anordnung der Exponate die Vermittlung gleich mitgedacht, das kenne ich von anderen Häusern nicht.“
Ihr Lob hat mich sehr gefreut, da ich in der Tat bei meinen Ausstellungskonzeptionen Kinder ebenso mitdenke wie Menschen,
die noch kein Museum betreten haben. Mir ist es außerordentlich wichtig, einen Ort zu schaffen, der allen –
egal welchen Alters oder welcher Herkunft –offensteht.

Seit März 2020 befinden wir uns in einer Notsituation. Die Stiftung Opelvillen ist keine Kapitalstiftung, sondern muss neben den Zuschüssen der Stifterin, der Stadt Rüsselsheim, weitere
Drittmittel akquirieren. Durch die nicht enden wollende Pandemie geraten wir zunehmend
in finanzielle Schieflage, da uns Einnahmen durch Eintrittsgelder fehlen. Dennoch habe
ich mich aktiv dafür eingesetzt, dass wir trotz Lockdowns im letzten Winter für Einzelgruppen von Kindergärten,
Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen öffnen durften. Es war ein Kampf, unsere Rolle als Bildungseinrichtung
deutlich zu machen, da die Politik Museen und Ausstellungshäuser unter Freizeiteinrichtungen
eingereiht hatte. Jeden Tag beweisen wir aufs Neue, dass die Opelvillen ein wichtiger außerschulischer Lernort sind.
Seit der Coronakrise engagiere ich mich hierfür und für Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts noch stärker.

Die evangelische Kirche wie auch die Kunst- und Kulturbetriebe sind Institutionen, die Werte offen leben, immer wieder hinterfragen und
gegebenenfalls auch überarbeiten müssen. Neu aufkommende Formen von Nationalismus, Rassismus oder Xenophobie sind
Themen, die an Dringlichkeit gewinnen. Es ist an uns, Hierarchien aufzulösen und die Geschichte der Religion und Kunst neu
und komplexer zu erzählen.